Aufstieg und Niedergang der Dawa Salafiyya in Deutschland

15 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Als plötzlich – um 2006 herum – die Dawa Salafiyya in Deutschland groß wurde und Verbreitung fand, begannen auf einmal zahlreiche muslimische und neukonvertierte Jugendliche, sich in einem Ausmaß mit islamischem Wissen und seinem Usul zu beschäftigen, wie es zuvor in Deutschland nie üblich war.

Dieser Umstand überforderte nicht nur zahlreiche Eltern und muslimische Gemeindemitglieder, sondern zum Teil auch ungelernte und gelernte Imame in den Moscheen. Den (gewiss nicht immer, aber doch recht häufig) guten Argumenten dieser „Jungsalafisten“ konnte nur schwer spontan entgegnet werden, und so nahm die Bewegung schnell zu.

Seit kurzer Zeit, fast 10 Jahre später, scheint man in den etablierten Altherrenstrukturen der religiösen Ausländervereine ein wenig aktiver und offensiver geworden zu sein. Langsam erscheinen mehr und mehr Jugendliche und Erwachsene auf der Bildfläche, die sich an der (eigentlich verhassten) Dawa Salafiyya ein gutes Beispiel nehmen, indem sie sich intensiv mit Wissen und Usul beschäftigen und dieses in deutscher Sprache verbreiten.

Immer häufiger stoße ich in letzter Zeit auf Dawa, die sich zwar nicht direkt gegen die Salafiyya richtet, aber durchaus viele ihrer Botschaften und Urteile kritisch hinterfragt und gehbare Alternativen aufzeigt.

Die Dawa Salafiyya – und hier ganz besonders Pierre Vogel – hatte einen Stein ins Rollen und die Beschäftigung mit dem Islam wieder attraktiv gemacht. Jeder, der dies leugnet, ist entweder blind oder zu differenzierter Betrachtung nicht in der Lage. Pierre Vogel & Co haben den Islam unter Jugendlichen in Deutschland (wieder) erwachen lassen. Entweder wurden junge Muslime von ihm motiviert MIT IHM in der Dawa tätig zu sein, oder sie wurden motiviert sich wieder mit dem Islam zu beschäftigen um seine Methoden und Ansichten kritisch zu hinterfragen.  Beides ist meines Erachtens ein Gewinn, so lange es für den Islam geschieht.

Auch die Deutsche Sprache wurde durch Pierre Vogel & Co in der Dawa gestärkt und die etablierten Verbände und Vereine sahen sich gezwungen, ihre verkrusteten und altbackenen Strukturen aufzubrechen, um der hiesigen Verkehrs- und Kultursprache den Rang einzuräumen, den sie unzweifelhaft verdient hat. Nie wurde mehr muslimische Literatur in die Deutsche Sprache übersetzt oder in Deutscher Sprache verfasst, als in den letzten 10 Jahren der expandierenden Dawa Salafiyya.

Heute jedoch sehe ich einem Wandel entgegen, der mich sehr beunruhigt. Während ich nämlich unter „Salafiyya“-Kritikern einen qualitativen und quantitativen Sprung nach vorn wahrnehme, muss ich bei den sogenannten „Salafisten“ eine gewisse Degeneration feststellen. Nicht quantitativ, denn mehr werden wir auch weiterhin, aber auf jeden Fall qualitativ. Speziell bei den neuesten „Zugängen“ im „Salafi-Milieu“ stelle ich nicht selten ein äußerst oberflächliches Wissen und auch besorgniserregende ideologische Einflüsse fest. Manchmal fürchte ich, dass gewisse „Islamexperten“ und Soziologen nicht ganz Unrecht hatten, als sie den zeitgenössischen „Salafismus“ als eine neue Form der jugendlichen Subkultur bezeichneten, die vor allem darauf aus ist zu provozieren.

Besonders auffällig scheint mir dieses Phänomen bei der verhältnismäßig großen Zustimmung für den „Islamischen Staat“ zu sein. Neben sicherlich auch einigen älteren Anhängern, sind es in Deutschland aber vor allem äußerst junge und nicht selten auch relativ frische Muslime, die den „Produkten“ des IS erliegen. Hochwertig produzierte Kriegs- und Hinrichtungsvideos und markige Anasheed haben den Predigervideos von Pierre Vogel & Co schon längst den Rang abgelaufen.

Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sich mit diesem Wandel im Grunde nur das wahre Gesicht des „Wahhabismus/Salafismus“ offenbart, aber wer ehrlich ist und Einblick hat, der kennt die tatsächlichen Gründe. Was letztendlich nämlich zu dieser Degeneration des Wissens und des Verhaltens führt, ist vor allem auch der staatlich und mediale geführte „Kampf gegen den Salafismus“.

Wo Moscheegemeinden nicht schon von sich aus solche Muslime ausgrenzten, die als „Salafisten“ oder „Wahhabiten“ verstanden wurden, machten Staat und Presse gewaltig Druck. Viele, vor allem junge Muslime, sind auf diese Weise aus den Stätten vertrieben worden, wo sie eigentlich qualifiziert hätten belehrt werden können. Und wo solche ausgegrenzten Muslime aufgenommen wurden oder eigene Vereine und Räumlichkeiten gründeten, wurde der staatliche und mediale Druck sogar noch auf die Spitze getrieben.

Dass ausgegrenzte „Salafisten“ damit aber nicht verschwinden, wird jedem wohl einleuchten. Anstatt also nun in einer Moscheegemeinde mit den Älteren und Gebildeten zu sitzen, hocken sie zu Hause vor dem PC und bekämpfen ihre Langeweile in den sozialen Netzwerken, mit Videos, Anasheeds und zweifelhaften Texten und Vorträgen.

Die etablierten Verbände sollten sich ganz genau überlegen, ob sie in Zukunft weiterhin an der Seite des Staates und in Zusammenarbeit mit der Presse gegen Glaubensgeschwister feindlich vorgehen wollen. Zum einen ist es nicht die richtige Art und Weise, um innerhalb der muslimischen Gemeinde Meinungsunterschiede auszufechten, und zum anderen spielt man damit besonders solchen jungen Muslimen quasi in die Hände, die den „Salafismus“ tatsächlich als jugendliche Subkultur missbrauchen, um gegen die familiären Strukturen und das Establishment zu rebellieren. Ausgrenzung wirkt in dieser Hinsicht eher als Verstärker, und wenn die Subkultur (wie im Fall des IS-Kults) vor allem auch tödliche Gewaltphantasien bedient und erzeugt, dann kann Ausgrenzung auch Gefahr für Leib und Leben bedeuten.

„Salafisten“ gehören in die Moscheegemeinden, in ihre Mitte, denn nur dort kann man konstruktiv und mit der nötigen menschlichen Nähe (also Auge in Auge, anstatt anonym im virtuellen Raum) eine ernstzunehmende glaubens- und rechtswissenschaftliche Auseinandersetzung führen. Hierzu muss man die Seitenhiebe der Presse („Moschee wird von Salafisten besucht“, „Moscheegemeinde duldet Salafisten in ihrer Mitte“ usw.) mutig ertragen können und die Bedenken der Sicherheitsdienste entweder nachdrücklich zerstreuen oder schlichtweg ignorieren. Sicherlich erfordert das Mut, aber dies ist die Verantwortung der Ummah, die hierzulande nun einmal von den Moscheegemeinden repräsentiert wird.

Wer Angst vor der Presse hat oder sich bereits zum Erfüllungsgenossen der hiesigen Sicherheitsdienste (und ihrer verlogenen Praxis) gemacht hat, mag damit vielleicht eine gewisse Ruhe gepachtet haben, aber er schleicht sich auch aus der Verantwortung für seine jungen und neuen Glaubensgenossen. Stattdessen sollte man Prediger wie Pierre Vogel & Co einmal selbst einladen, und zwar zu einer kritischen Auseinandersetzung. Findet man denn in den eigenen Reihen keinen gebildeten Gläubigen, der der deutschen Sprache ausreichend mächtig wäre, um den „gefährlichen Salafisten“ vor versammelter Gemeinde einmal richtig Paroli zu bieten? Vielleicht liegt hierin das Problem?

Wer meint, dass man mit einer sachlichen Auseinandersetzung in den eigenen Räumlichkeiten dem Gegner nur eine weitere Plattform bieten würde, der hat kein Selbstbewusstsein und gesteht wohl eher ein, den Argumenten eines Pierre Vogel nicht gewachsen zu sein. Und genau dieses Signal geht raus an die jungen Muslime …

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15 Antworten auf “Aufstieg und Niedergang der Dawa Salafiyya in Deutschland”

  1. Ziyad

    Du forderst also, dass sich die Dawa Salafiyyah wie du sie nennst in die Mitte der Moschee Gemeinden ATIB, Milli Görüs und co setzen sollen? Um was zu machen?

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Als ich schrieb «„Salafisten“ gehören in die Moscheegemeinden, in ihre Mitte, … », meinte ich damit nicht, dass sie sich dort irgendwo in die Mitte der Moschee hinsetzen sollen, sondern dass sie das Gemeindeleben aktiv mitleben und -bestimmen sollen, als aktive Mitglieder in der Mitte der Gemeinde.

      Was macht man für gewöhnlich in der Moschee?
      Die Gebete verrichten, Zhikr, Wissenskreise, Jugendarbeit, … alles was möglich ist, um eine lebendige Moscheegemeinde zu bewerkstelligen.
      In welchen Moscheen man das machen kann und in welchen nicht, das muss jeder selbst herausfinden. Die großen Player im Moscheeverbandsbusiness (wie DITIB, ATI, MG usw.) muss man (denke ich) von Gemeinde zu Gemeinde differenziert beurteilen.

  2. Harry

    Die fruchtende Dawa ist mit der Hijra von vielen Aufrichtigen gestorben, in ganz Europa. Nicht nur in Deutschland.

    Die Zungen der Giftigen, die es damals schon gab, sind länger geworden. Mehr als Quatschen tun die immer noch nicht.

    Antworten
  3. Timo

    Ich empfehle sich mit Yasir Qadhi auseinanderzusetzen, welcher sich nunmehr als „Ex-Salafi“ bezeichnet. Er besteht darauf, dass er nun kein „Anti-Salafi“ ist und vieles von der Dawa Salafiya in den Diskurs zurückgebrachten, z.B. das kritische Hinterfragen und das „zurück zu den Quellen gehen“, als Bereicherung als ansieht, aber das man die Entstehung der modernen Salafiya in seinem historischen Kontext sehen muss. Denn die heutige Salafiya sei nicht DDeckungsgleich mit dem Realität der Salaf noch mit der Realität von Ibn Taymiyya. Viel mehr sei jede Gruppierung immer eine in ihrem historischen Kontext zu sehende Annäherung an an die Lehre des Propheten (saw). Und meiner Meinung nach ist es erst dan möglich einen ehrlichen Diskurs zu führen, wenn man diese Distanz zur Gruppe der modernen „Salafiya“ gewinnt und damit die Freiheit auch dieser Gruppe zu widersprechen in dem ein oder anderen bereich. Denn die moderne Salafiya ist nicht Deckungsgleich mit DEM ISLAM sondern nur ein Versuch der Annäherung an ihn.

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  4. Özgür Berkant Nisli

    Salaam alaykum,

    ich finde diesen Beitrag sehr gefährlich.
    Zu behaupten, dass das vermeintlich „islamische“ Wissen und dessen „Usul“ annähernd etwas mit dem sunnitischen Islam gemäß den vier Rechtsschulen und den zwei Aquida-Schulen gemeinsam hat, und noch dazu suggeriert wird, dass dieses Wissen und dessen Usul überhaupt „islamisch“ sei, ist fahrlässig wenn nicht vorsätzlich irreführend, da es sich ganz klar um eine salafistische Methodologie und dessen Doktrin handelt. Dass die salafistische Herangehensweise und Fehlinterpretation im Deckmantel des Urislams verkauft wird, zeigt einfach die freche und taktlose Beanspruchung des Wortes „islamisch“. Vielmehr sollte darauf hingewiesen werden, dass es einen salafistischen „Boom“ gegeben hat und dass es sich ganz klar um einen salafistischen Zuwachs durch einen salafistischen Prediger handelt, nicht aber eines islamischen. Dieser „Usul“ von dem du redest, damit meinst du doch bestimmt den Bukhari und Muslim Ijtihad, ausgeführt durch Laien, willkürlich, triebgesteuert und vollkommen fahrlässig nicht wahr?

    Leider habe ich nicht die Zeit dazu, den gesamten Beitrag zu entkräften.

    Ich kann nur den Kopf schütteln beim Erbsen picken der Vorzüge der Dawah Salafiyya und dessen „positiven“ Folgen.

    Jens, meiner Meinung nach bist du ein gefährlicher Mann,

    gleichzusetzen mit dem sogenannten Wolf im Schafspelz.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullah

      Sie haben tatsächlich eine schwache Stelle an meinem Beitrag offenbart. Es haben sich nämlich zahlreiche Muslime auch ein Beispiel an den schlechten Erscheinungsformen des hiesigen Salafismus genommen.
      Dieser Habitus, der innerislamische Feindschaften pflegt, vor Unterstellungen nicht zurückschreckt, ein Patent auf die Wahrheit anmeldet und direkt oder indirekt den Islam (oder das islamische) abspricht, ist sicherlich ein Phänomen, der unter Jungsalafisten verbreitet ist.

      Dass sich insbesondere auch solche Muslime dieses Habitus bemächtigen, die sich dem Tasawwuf zugeneigt fühlen – oder ihn zumindest als Rechtfertigung vor sich her tragen – ist zwar tragisch, veranschaulicht aber, wie menschlich diese Schwäche des Nafs ist und dass zeitgenössische Sufis mit dem wahren Tasawwuf ebenso wenig zu tun haben, wie zeitgenössische Salafiyun mit den wahren Salafus-Salihin.

  5. عبد الرحمن

    As-salamu ‚aleikum wa rahmatuLLAHi wa barakatuh,

    ich möchte mich gar nicht auf irgendwelche Vergleiche einlassen, welche Dawa ‚besser‘, ‚erfolgreicher‘ oder gar ‚richtig‘ ist.

    Ich kann nur sagen, dass ich seinerzeit durch Pierre Vogel die Scheu vor dem Islam verloren habe, mich danach weiter informiert habe und al-hamduliLLAH konvertiert bin. Auch wenn ich viele Sachen (auch damals schon) anders sehe als PV und seine Anhänger, so bin ich über sein Engagement sehr froh, denn die ethnisch homogenen Gemeinden sind (bzw. waren?) schlicht nicht als Anlaufstelle geeignet.

    wa ALLAHu ‚alim.

    wa salam

    Antworten
    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullahi wa barakatuh

      Danke für diesen Kommentar. Genau so sehe und fühle ich das auch.
      Auch ich bin nach jahrelangem (fast 15jährigem) Schwanken (Islam ja oder nein) erst durch die aufdringliche und direkte Art von Pierre Vogel zum endgültigen Entschluss gekommen, den Islam tatsächlich anzunehmen.

      Aber auch ich höre oder sehe heute fast keine Beiträge mehr von ihm. Er ist mitnichten über Kritik erhaben und hat sicherlich auch einiges falsch gemacht. Aber wer ist schon frei von Fehlern?
      Er ist und bleibt eine Persönlichkeit des Islam in Deutschland.

  6. Abu Sulayman

    Al-Salamu ‚alaykum wa rahmatullah,

    geehrter Bruder du hast definitv Recht damit, dass Pierre Vogel eine große Rolle darin gespielt hat das Interesse am Islam unter den Menschen in Deutschland (insbesondere unter den Jugendlichen) zu wecken. Und ohne Zweifel hat dies einige Leute dazugebracht die Religion Allahs anzunehmen oder die Religion ernster zu nehmen.
    Allerdings muss man auch dazu sagen, dass er leider mit einer Version des Islams angekommen ist, die zum Teil sehr stark vom klassischen Islam abweicht und noch dazu sehr gefährliches Gedankengut enthält, so dass im Endeffekt ein größerer Schaden als Gewinn entstanden ist.

    Die sogenannte „Salafiyyah“-Bewegung hat sich in verschiedenen islamischen Wissenschaften sehr stark von verschiedenen kontroversen Persönlichkeiten beeinflussen lassen. Wenn es z.B. um die Rechtslehre (Fiqh) und deren Fundament (Usul al-Fiqh) geht so sind sie von Ibn Hazm (gest. 456 nach der Hijrah) und der Dhahiriyyah beeinflusst; wenn es um die Glaubensfundamente (Usul al-Din / ‚Aqidah) geht so sind sie von Ibn Taymiyyah (gest. 728 nach der Hijrah) beeinflusst. Beide genannten Personen waren zwar Gelehrte und noch dazu sehr wissend, hatten aber problematische Ansichten.
    Was aber viel schlimmer ist, dass die „Salafiyyah“-Bewegung von den Ideen von Muhammad bin ‚Abd al-Wahhab (gest. 1206 nach der Hijrah) beeinflusst ist und dass sie ihn als „Imam und Mujaddid“ feiern und das obwohl er in der Realität noch nicht einmal ein Gelehrter war. Man bedenke, dass dieser Mann mit seiner eigenen Zunge sich von all seinen Lehrern losgesagt hat und ihnen das Wissen bezüglich des Tawhids abgesprochen hat und sogar, dass er zuvor selbst den Tawhid nicht verstanden hatte (siehe „al-Durar al-Saniyyah“ 10/51).
    Genauso haben sich alle seine Lehrer von ihm losgesagt und die Gelehrten der damaligen Zeit waren gegen sein falschen Takfir und gegen das Blutvergiessen und den Raub und die Zerstörung, welche seine Anhänger (hauptsächlich unwissende Beduinen aus Najd) auf der gesamten arabischen Halbinsel und der umliegenden Gebiete verübten.

    Wer dem widersprechen will, der soll doch bitteschön mal solche Bücher wie „al-Durar al-Saniyyah“ (Sammlung von Aussagen/Briefen/Texten von Ibn ‚Abd al-Wahhab und seinen Befolgern), „‚Unwan al-Majd fi Tarikh Najd“ (ein Geschichtsbuch) von Ibn Bischr (gest. 1288 nach der Hijrah) (einem Vollblut-Wahhabi, der mit Stolz davon berichtet wie die ursprüngliche Najdi Bewegung andere Muslime töteten, ausraubten, etc.) und ähnlichen Texten der ursprünglichen Najdi-Bewegung lesen.

    Man muss sich es sich mal geben, dass in „al-Durar al-Saniyyah“ (9/291) gesagt wird, dass die Leute von Makkah al-mukarramah (!!) Polytheisten seien und das ein jeder, der sie nicht als solche erklärt, ungläubig sei. In „‚Unwan al-Majd“ (1/284-285) wird dann erwähnt, dass die Najdis im Jahr 1220 nach der Hijrah während einer Hungersnot ein Embargo auf Makkah gelegt haben, so dass eine große Anzahl von Leuten starb. Im gleichen Jahr wurde das gleiche gegen Madinah al-munawwarah getan.

    Auf dem Ummah-Forum habe ich ein paar dieser Ereignisse/Aussagen ins Englische übersetzt. Wenn man auf Google „The original Najdi/ Wahhabi movement was more extreme in bloodshed & Takfir than ISIS“ eintippt, sollte man fündig werden.

    Wenn du also sagst, dass die Aussage von „bösen Zungen“, dass das oberflächliche Wissen und der besorgniserregende ideologische Einfluss (wie z.B. die der IS) das wahre Gesicht der Wahhabiyyah / „Salafiyyah“ offenbaren würde, nicht der Wahrheit entspricht, so muss ich dem vehement widersprechen.
    Die ursprünge Najdi-Bewegung war sogar noch schlimmer als der IS und um dies zu erkennen reicht es aus in ein Geschichtsbuch wie „‚Unwan al-Majd“ (welches wie bereits erwähnt von einem Hardcore-Najdi geschrieben wurde!) zu blicken.
    Es gibt natürlich auch andere Gründe wieso junge Leute von den Ideen von IS (und ähnlich extremen Salafi-Jihadi-Gruppierungen) infiziert werden, aber so zu tun als ob der Gedankengut der Wahhabiyyah keine Roller dabei spielt ist ohne wenn und aber falsch.

    Wenn man also dieses Problem lösen will, so kommt man nicht darum herum auch die Ideen dieser Bewegung anzusprechen.

    Worin ich dir aber dann doch wieder zustimme ist, dass man nicht mit der Presse zusammen gegen die sogenannten „Salafis“ arbeiten sollte, den zum einen würde das nur mehr Jugendliche in ihre Arme treiben und zum anderen haben wir als Muslime andere Werte als diese Medien und so einiges was diese Medien an den „Salafis“ anprangern gehört in Wahrheit zum klassischen Verständnis des Islams.

    Fi Amanillah.

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    • Mohammed Isa

      Mohammed Isa

      As-Selam Aleykum,

      bzgl. Aqidah: Ich sehe da garkeine Probleme.
      bzgl. Fiqh: Sich von kontroversen Persönlichkeiten beeinflussen zu lassen ist weder ein Beweis gegen die Salafiyya noch dafür. Abgesehen davon Bedarf es eines Beweises das die Person kontrovers ist. Desweiteren wollen wir festhalten das es viele verschiedene Fiqh-Schulen gab. Nur weil 4 überlebt haben bedeutet dies nicht das man zwangsweise nur aus dieser Quelle fischen darf.

      Historische Ereignisse werden nicht wahr wenn man Quellen zitiert. Vielmehr gebührt eine historische Quellen einer Untersuchung. Wer ist die Person? Hat sie das Bedürfnis Ereignisse „größer“ darzustellen um sich (und seine Bewegung) zu profilieren ? Welche dieser beschrieben Ereignisse hat er mit eigenen Augen gesehen und welche Quellen stützen seine Behauptungen? etc.
      Allahu Alem

    • Abu Sulayman

      Wa ‚alaykum al-Salam,

      ich würde gerne zunächst einmal eine allgemeine Bemerkung machen:
      Das authentische Wissen bezüglich der wahren Religion hat uns auf einen spezifischen Weg erreicht und dieser sieht folgendermaßen aus:
      Rasulullah – sallallahu ‚alayhi wa sallam – hat die Religion seiner Familie und seinen Gefährten beigebracht. Diese habe dann dieses Wissen an die nächste Generation der Muslime weitergegeben und dies ging Generation für Generation weiter bis zu unserem Tag. Dies ist der Weg durch den alle klassischen und akzeptierten Gelehrten des Islams ihr Wissen erlangt haben und wer auch immer diesen Weg verlässt hat in Wahrheit den Weg der Ahl al-Sunnah verlassen, selbst wenn er tausendmal hiernach etwas anderes behaupten sollte.

      Bezüglich Fehler in der ‚Aqidah der „Salafiyyah“-Bewegung:
      – Ihre ‚Aqidah ist auf innerislamische Feindschaft, falschen Behauptungen und sogar Takfir der Mukhalifin aufgebaut.
      Schau einfach in das Buch „al-Durar al-Saniyyah“. Es ist wie bereits erwähnt eine Sammlung von Aussagen/Texten/Briefen von Ibn ‚Abd al-Wahhab (gest. 1206 nach der Hijrah) und seinen Befolgern. Dieses Buch wird heute von der „Salafiyyah“ gedruckt und ihre Maschayikh halten es für ein super tolles Buch. Es ist einfach nur erschreckend wie viel grenzenloses und völlig grundloses Takfir dieses Buch enthält (dagegen ist IS nichts!). Das Beispiel mit dem Takfir auf die Leute von Makkah al-mukarramah und auch auf jeden, der sie nicht takfiriert (und das steht expliziter Form drin!), ist nur ein Beispiel von vielen.
      – Dann ist ein weiteres großes Problem, dass sie Bücher drucken in denen Allah subhanahu wa ta’ala solche Sachen wie Grenzen, Richtung, Abstand, Ausbreitung im Raum, Veränderungen von einem Zustand in einen anderen, Form/Gestalt, Gewicht/Masse und andere Eigenschaften der Schöpfung zugesprochen wird. Dies widerspricht den Ayat al-Muhkamat des Qur`an al-karim und der prophetischen Rechtleitung.
      – Sie haben völlig sekundäre Angelegenheiten zum Fundament des Islams erklärt, während wichtige Sachen völlig in den Hintergrund gedrängt wurden. Man sollte sich hierfür einfach mal klassische Mutun bezüglich ‚Aqidah anschauen und dann dies mit ihren in den letzten 100 bis 200 Jahren geschriebenen ‚Aqidah-Büchern vergleichen.

      Bezüglich den Fehler im Fiqh:
      – Sie akzeptieren keine legitimen Meinungsunterschiede und tun gerne so als ob ihre Meinung die einzig gültige wäre und das selbst dann wäre ihre Meinung der Meinung der Jumhur der Gelehrten widerspricht. Was sie auch gerne tun ist es die strengste Position sich rauszupicken und dann so zu tun als ob jede andere Meinung definitv falsch ist.
      – Sie haben die Definition von der schlechten Neuerung (Bid’ah) so sehr ausgeweitet, dass plötzliche alles Bid’ah geworden ist. Wieso behauptet man bitteschön, dass man der Salaf al-salih folgt, wenn man z.B. das Verständnis von Imamen der Salaf al-salih wie al-Schafi’i (gest. 204 nach der Hijrah) bezüglich Bid’ah als falsch ansieht?
      – Sie haben Tür und Toren für jede unwissende und unqualifizierte Person geöffnet Rechtsurteile bezüglich der Religion Allahs zu fällen.

      Bezüglich historischen Ereignissen:
      – Bitte Bruder versuche hier nicht ohne Wissen die ursprüngliche Najdi-Bewegung zu verteidigen.
      Ich habe dir eine spezifisches Geschichtsbuch schon genannt und das ist das Buch „‚Unwan al-Majd fi Tarikh Najd“ von Ibn Bischr (gest. 1288 nach der Hijrah). Dieser Mann war selbst von der Najdi-Bewegung und dieses Buch drucke nicht ich, sondern die „Salafiyyah“ selbst! Sie halten den Autor dieses Buches als eine gute und tolle Person.
      Wenn dir das nicht genug ist, dann kannst du gerne noch in das Geschichtsbuch „Tarikh Najd“ von Ibn Ghannam (gest. 1225 nach der Hijrah) schauen. Der Autor ist ein direkter Schüler von Ibn ‚Abd al-Wahhab selbst und hat ihn verehrt! Diese Leute haben ihre Taten selbst dokumentiert! Was willst du mehr?
      Außerdem sind die gleichen Ereignisse auch von Nicht-Najdis erwähnt worden.
      Ich gebe dir mal nur ein Beispiel: In „‚Unwan al-Majd“ (1/309-310) wird erwähnt, dass die Najdi-Bewegung al-Scham im Jahre 1225 nach der Hijrah angegriffen und es wird erwähnt was sie dort für Gräueltaten verrichteten (der Autor sieht all dies als sehr gute Taten an und erwähnt voller Freude was für eine großes Schrecken dieser Angriff in die Herzen der Leute von Damaskus und der umgebenden Städten und Dörfern geworfen hat!)
      Dieses Ereignis wurde auch von zig anderen Quellen berichtet! Wenn du so etwas anzweifeln willst, dann kannst du gleich die Existenz des 2.ten Weltkriegs anzweifeln.
      Bist du dir überhaupt bewusst, was für eine große Region die ursprüngliche Najdi-Bewegung angegriffen haben und wie viel Blut sie vergossen haben?
      – Ein letzter Punkt noch: Wieso glaubst haben die Gelehrten der damaligen Zeit so eine schlechte Meinung von der Najdi-Bewegung gehabt?
      (Viele dieser Gelehrten haben in Regionen gelebt, die unter dem direkten Angriff der Najdis stand, d.h. dass sie die Ansichten und die Gewalt- und Raubexzesse der Najdis sehr gut kannten!)

  7. Adil

    Und erneut wurde die Thematik rund um Muhammad Ibn Abd-al Wahhab entfacht. Es ist immer wieder das Gleiche.
    Abu Sulayman, warst du unter dem gleichen Namen auch im Forum registriert?

    Nun; wo der Rauch aufsteigt, dort existiere auch ein Feuer; so ähnlich lautet ein türkisches Sprichwort. Wer die Lehren Abd-al Wahhabs, die übrigens wirklich die Essenz des Islams wiederspiegeln, völlig erfasst hat, muss auch heute auf die Idee kommen, dass die meiste morgenländische Bevölkerung polytheistischen Ideologien angehört. Pierre Vogel und Co weichen erheblich von seinen Lehren ab.

    Antworten
    • Oki

      Fehler Nr. 1: Abu Sulayman’s Kommentar freigeschaltet
      Fehler Nr. 2: Auf diesen Kommentar eine Antwort verfasst

      Als sympathisant mit der Salafiyah (oder in gewissermaßen mit vielen ihrer Ideologischen Ansichten übereinstimmende) Person muss ich schon sagen, dass Abu Sulayman nicht in allem Unrecht hat. Problem ist nur, er geht in gewissen Sachen überhaupt nicht differenziert vor. Beispielsweise seine damalige verbalen Angriffe, welche er Schaikh Ibn Taimiyyah gewidmet hat, wurden meinen Erinnerungen nach selbst von einigen der .de-Forum User kritisiert, da er wohl übertrieb (ist ja schon Jahre her, den genauen Sachverhalt habe ich nur noch grob und oberfläschlich in Erinnerung, man möge mir verzeihen).

      Genau so seine These, dass das oberflächliche Wissen und der besorgniserregende ideologische Einfluss das wahre Gesicht der „Salafiyyah“ sei bzw. auf die Lehren von Schaikh Ibn Abdel-Wahhab zurück zuführen ist, erachte ich ebenso als falsch. Denkst du auch nur einer der IS-Kämpfer hat „al-Durar al-Saniyyah“ oder „Unwan al-Majd fi Tarikh Najd“ gelesen und sich davon inspiriert? Was ist mit den Salafiten Gelehrten aus dem heutigen Saudi-Arabien, welche den IS für solche Taten kritisieren? Denkst du diese Gelehrten kennen nicht Durar al-Saniyyah? Oder andere Bücher der Najdi-Bewegung?

      Oder das die „Salafiyyah“ keine Meinungsverschiedenheit akzeptiert, ist mir neu. Welcher von deren Gelehrten ist denn bitteschön so ignorant und würde einen gültigen Ikhtilaaf nicht akzeptieren, weil ihm diese Meinung zu wider sei oder ähnliches? Oder meinst du doch eher die Anhänger der Salafiyyah, die 2 PDF-Dateien gelesen haben und denken sie wüssten alles besser? Die zählen nicht, denn es gibt genug neu praktizierende, welche in ihrem Eifer einfach nur unwissendes sagen.

      Sicherlich kommt von Abu Sulayman auch hierauf ne Antwort. Sei doch so nett und erspar‘ mir einen ellenlangen Roman 😉 Im Grundgenommen habe ich nicht ganz unrecht, genau so wie du.

  8. Abu Khaithamah Al-Ansari

    Assalamu Alaykum wr wb,

    Vorab: Schön hier einige alte Namen aus dem Forum wieder zu finden.

    Ich denke viele von uns haben sowohl den Aufstieg als auch den Fall des „Islam in Deutschland“ mitbekommen. Früher gab es wohl nur eine Hand voller Shabab in jeder Stadt welche plötzlich entdeckten das in diesem Din, der manchen von uns bekannt war, weitaus mehr als das bloße Fasten, Beten und unterlassen von Schwein und Alkohol besteht.

    Wir waren Hungrig nach Wissen, wir wetteiferten im Lernen und danach Handeln und liebten diejenigen welche uns auf diesem Weg begleiteten. Man erinnere sich nur mal an die familiäre Atmosphäre im Forum damals… Seminare wurden öffentlich angekündigt, Mitfahrgelegenheiten organisiert und ich lernte viele der damaligen Member kennen und lieben. Salafimedia war damals quasi ein Community-Projekt wo viele von uns mithalfen Texte oder Videos zu übersetzen um das islamische Wissen weiter zu geben.

    Der Wandel kam spätestens ab dem Beginn des Krieges in Syrien. Plötzlich gab es nicht mehr „DEN Manhaj“ sondern gefühlte 1000 Gruppierungen, jeder suchte sich seinen eigenen Weg. Man erinnere sich allein an die Diskussion um die Aussage bzgl. Udhr bi-Jahl von Al-Hazimi.

    In den letzten Jahren entwickelte es sich leider weiterhin in diese Richtung, jeder Hinz und Kunz gibt Vorträge, Fataawa werden schneller verteilt als man das Wort „Fatwa“ überhaupt schreiben kann und anstatt die Basics zu lernen werden Neu-Praktizierende oder Konvertiten nicht mehr an die Hand genommen, langsam in den Din eingeführt sondern werden schon am ersten Tag vor die Wahl „Pro-Dawla oder Pro-Qaida“ gestellt. Ebenfalls haben viele Neulinge damals von erfahrenen Geschwistern mächtige Backpfeifen bekommen wenn Sie irgendeinen Unsinn von sich gegeben haben. Heutzutage werden genau diese auch noch von unwissenden Kiddis gefeiert.

    Alles in allem ist die Entwicklung der letzten Jahre mehr als traurig. Viele von denjenigen, die diesen Din von ganzem Herzen liebten, sind leider heutzutage nicht mehr unter uns und der Nachwuchs an „Social-Media-Shabab“ steigt unaufhöhrlich.

    Zum Glück treibe ich mich in diese nicht herum, sonst würde ich wohl bereits vor dem Frühstück mit dem Brechreiz kämpfen…

    Doch wie sagte es der Prophet (saws) bereits über 1400 Jahre zuvor?

    `Abdullah Ibn `Amr Ibn Al-`As, Allahs Wohlgefallen auf beiden, sagte:
    Ich hörte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, folgendes sagen: „Wahrlich, Allah nimmt das Wissen nicht hinweg, indem Er es aus dem Gedächtnis der Menschen herausreißt, sondern Er nimmt das Wissen hinweg, indem Er die Gelehrten sterben lässt; und wenn keiner von ihnen übrig bleibt, dann nehmen die Menschen unwissende Köpfe in Anspruch, welche gefragt werden und ein Urteil geben, bei dem jegliche Grundlage des Wissens fehlt. Somit werden sie selbst abirren und aber auch die Menschen in die Irre führen.“
    [Sahih Muslim Nr. 4828 (im arabischen)]

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