Die allgemeine Ungleichheit der Menschen als Segen Allahs für Arbeit, Wert und Handel

7 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Ich hatte schon eine riesige Einleitung zu diesem Beitrag geschrieben, weil ich vermutete, dass die Wichtigkeit des Themas nach einer ausführlichen Darlegung verlangt. Letztendlich jedoch war dieses Textkonvolut auch mir zu aufgeblasen und ich trug die Befürchtung in mir, mit einer solch umfassenden Erläuterung den Leser eher abzuschrecken, als ihn zu gewinnen. Also versuche ich mich sehr kurz zu fassen …

Leider fand in den letzten Jahrzehnten ein schädlicher politischer und gesellschaftlicher Grundsatz in den westlichen Zivilisationen Verbreitung und dieser Grundsatz lautet GLEICHHEIT. Im 18. Jahrhundert war er bereits ein Teil der Losung der verbrecherischen Französischen Revolution, später wurde er von nationalistischen, sozialistischen und faschistischen Ideologien aufgegriffen, im Streben nach einen Kollektiv von Gleichen unter Gleichen. Und heute, im Zeitalter des „liberalen“ Tugendstaates, findet er eine politische Implementierung wie niemals zuvor.

Angefangen hat es mit der Gleichsetzung von arm und reich, von Wissenden und Unwissenden, bis hin zur Gleichsetzung von Mann und Frau. Auch die Unterschiedlichkeit der Völker, ihrer Vorzüge und Mängel, wurde mit dem Rassismusvorwurf tabuisiert. Seinen momentanen Gipfel feiert der Gleichheitswahn in der Gendertheorie, nach der alle Menschen von Geburt an gleich und „geschlechtslos“ sind und erst durch ihr familiäres Umfeld in ein Geschlecht gezwungen werden, wobei das „äußerliche Geschlecht“ völlig nebensächlich zu sein scheint.

All dies sind Phänomene eines Gleichheitswahns, der nicht nur absurd wirkt, sondern auch schwerwiegende gesellschaftliche und ökonomische Folgen haben kann, denn das, was unsere Gesellschaften und Zivilisationen bis heute angetrieben und ermöglicht hat, ist in Wirklichkeit die allgemeine UNGLEICHHEIT der Menschen. Besonders die Effizienz der menschlichen Arbeitsteilung basiert auf der Ungleichheit von Talenten und Stärken bei uns Menschen, und auch die unterschiedlichen Bedürfnisse haben einen Sinn und ermöglichen einen breit aufgestellten Handel.

Der Grund, weshalb ich diesen Beitrag verfasse, ist ein Text des frühen muslimischen Literaten ʿAmr ibn Bahr al-Jahiz (159-255 nach Hijra), der wunderbar auf dieses Thema eingeht und auch die gesellschaftliche und vor allem ökonomische Wichtigkeit dabei erwähnt.

Bevor ich jedoch den Auszug von al-Jahiz hier einfüge, möchte ich den geneigten Leser darum bitten, zuvor den Text eines deutschen Professors zum hiesigen Gegenstand zu lesen. Prof. Dr. Jörg Guido Hülsmann ist Ökonom und Universitätsprofessor. Er lehrt derzeit an der Fakultät für Recht, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Angers. Von ihm stammt der kurze Beitrag „Vom Nutzen der Ungleichheit der Menschen“ im Magazin eigentümlich frei. (Bitte anklicken und lesen)

Und hier – zum direkten Vergleich – der Auszug aus dem Text des ʿAmr ibn Bahr al-Jahiz, der vor weit über 1000 Jahren verfasst wurde:

«Alles hat seinen Platz in der Welt

Wisse, dass Allah die Veranlagung der Menschen verschieden gemacht hat, um zwischen ihnen alles in Einklang zu bringen, Er aber bei ihnen keine Harmonie herstellen wollte bezüglich der Dinge, die ihrem Interesse entgegenstehen. Wenn die Menschen nicht aus verschiedenen Gründen Allah unterworfen wären und zu den gleichen Dingen gezwungen würden, dann wäre es möglich, dass sie alle die Herrschaft und die Politik wählen würden, wobei das Leben zugrunde und das öffentliche Wohl zunichte werden würde und nur Untergang und Verderben übrigbliebe.

Wenn sie nicht aus verschiedenen Gründen unterworfen und durch mancherlei Ursachen gebunden wären, würden sie alle den Beruf des Baders, Tierarztes, Fleischers und Gerbers verschmähen. Aber jede Klasse von Menschen malt die Lage, in der sie sich befindet, in den schönsten Farben, was ihr dazu verhilft, sie leicht zu ertragen. So sagt ein Weber, wenn er bei einem Berufsgenossen Unfähigkeit, Ungeschick oder eine Dummheit bemerkt, zu ihm: «Du Bader!», während der Bader, wenn er bei seinem Kollegen eine Ungeschicklichkeit sieht, zu ihm sagt: «Du Weber!»

Daher können sich diese Menschen nicht entschließen, ihre Söhne anderen Handwerken als dem Beruf des Webers, Baders, Tierarztes oder Fleischers zuzuführen. Wenn Allah nicht die Verschiedenheit zu einem Grund für Harmonie und Eintracht hätte machen wollen, hätte Er nicht den einen klein und den anderen groß, den einen schön und den anderen hässlich, den einen reich und den anderen arm, den einen vernünftig und den anderen töricht und den einen klug und den anderen dumm erschaffen. Aber Er hat die Menschen verschiedenartig erschaffen, um sie zu prüfen, denn durch die Prüfung gehorchen sie, und durch den Gehorsam werden sie glücklich. Er hat sie geschieden, um sie zu vereinen, und Er wollte sie einen im Gehorsam, damit sie in der Belohnung gleich seien. Gelob sei Allah! Wie schön ist diese Prüfung! Wie angemessen und weise ist das, was Er gemacht, und wie vollkommen ist das, was Er geplant hat!

Wenn die Menschen alle die Schande des Weberhandwerks verabscheuen würden, müssten wir nackt bleiben; wenn sie alle zusammen die harte Arbeit des Maurers verachten würden, müssten wir unter freiem Himmel wohnen; wenn sie vom Ackerbau nichts wissen wollten, würde die Nahrung zu Ende gehen und die Grundlage des Lebensunterhalts schwinden. Er hat sie ohne Zwang unterworfen und ihnen ohne Forderung verschiedene Neigungen gegeben. Wenn die Veranlagungen und Beweggründe der Menschen nicht verschieden wären, würden sie von den Dingen nur das Beste, von den Ländern nur die ohne Gegensätze und von den Städten nur die in der Mitte liegenden wählen. Unter diesen Umständen würden sie um die Erlangung der mittleren Zone miteinander kämpfen und sich um die hochgelegenen Länder streiten, so dass das Land sich nicht alle zu fassen vermöchte und unter ihnen kein Friede zustande käme […]

Wenn nicht die Neigungen unterschiedlich wären, würden sie einander ein und dasselbe Land, die gleichen Namen und dieselbe kunja streitig machen. In Wirklichkeit aber verfallen sie bei der Wahl der verschiedenen Dinge, wie man sehen kann, auf hässliche Namen und abscheuliche Beinamen, da ihnen ja alle Namen zur Verfügung stehen, wie ihnen auch alle Berufe erlaubt sind, die Geschäfte ihnen offen stehen und sie in ihrer Lebensart freie Hand haben. All dies ist aber nur frei nach außen hin, während es im Inneren bereits verteilt ist, selbst wenn sie weder die vom Weisen vorbereitete Planung noch den Vorteil, den sie einschließt, erkennen. Lob sei dem, der in dem einen den Wunsch erwachen lässt, seinen Sohn Muhammad, in dem anderen, ihn Shaitan (Satan) zu nennen und der dem einen eingibt, für seinen Sohn den Namen Abdallah den anderen, für ihn den Namen Khimar (Esel) zu wählen, denn wenn die Menschen bei der Wahl der Namen in ihren Neigungen nicht verschieden wären und es möglich wäre, dass sie sich alle auf ein und dasselbe einigten, gäbe es keine unterscheidenden Merkmale mehr und würden die gegenseitigen Beziehungen erschwert […]

Ich will dir nun den Sinn ihrer Verschiedenheit und Übereinstimmung erläutern (und darlegen,) dass Allah in einigen Fällen nur die Unterschiede zwischen ihnen geschaffen hat, um das Wohl der Menschen zu mehren und die Echtheit ihrer Überlieferungen zu bekunden. Siehst du nicht, dass niemals jemand eine Ware um einen dirham verkauft, wenn er nicht der Ansicht ist, dass jener dirham für ihn wertvoller sei als seine Ware? Und niemals kauft jemand eine Ware um einen dirham, wenn er nicht der Ansicht ist, dass jene Ware für ihn wertvoller sei als sein dirham. Wenn der Verkäufer seine Ware mit den gleichen Augen sähe wie der Käufer und der Käufer den dirham mit den gleichen Augen sähe wie der Verkäufer, würden sie sich niemals über einen Verkauf und Kauf einigen, und ies wäre die Ursache zu völligem Verfall und totalem Ruin.

Gelob sei Allah, der uns das lieben lässt, was in den Händen unseres Nächsten ist, und der unsere Nächsten lieben lässt, was in unseren Händen ist, damit der Handel zustande kommt, der einen gegenseitigen Nutzen mit sich bringt, welcher wiederum das Zusammenleben ermöglicht […]»

Quelle: Arabische Geisteswelt, ausgewählte und übersetzte Texte von al-Gahiz (777-869), übersetzt von Charles Pelat/Walter W. Müller, erschienen im Artemis Verlag, Zürich ©1967

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7 Antworten auf “Die allgemeine Ungleichheit der Menschen als Segen Allahs für Arbeit, Wert und Handel”

  1. Kerim

    Schämst du dich nicht, in derselben Autorenlisten aufgelistet zu werden wie Akif Pirinci, der den Islam aus übelste beleidigt?

    Antworten
  2. Kerim

    Dann haben Sie wohl Defizite im Wissen um Eifersucht für den Islam.

    Antworten
    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Lieber Rahmen,

      wir können ja mal eine Kommentatorenliste für diesen Blog aufstellen, da werden auch Sie sich in Gesellschaft einiger Islamhasser wiederfinden.
      Schämen Sie sich schon einmal im Voraus.

      Werden Sie in zukünftigen Kommentaren weiterhin keinen inhaltlichen Bezug zum Beitrag herstellen, dann schalte ich nicht mehr frei.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      Also, was ich über „Eifersucht für den Islam“ weiß, ist zumindest, dass dieser etwas albern wirkende Ausruck in keinem einzigen Koranvers oder Hadith vorkommt. Ich kann mich auch nicht erinnern, ihn jemals in einem Gelehrtenwerk gelesen zu haben. Wer ihn wohl zuerst erfunden hat?

    • Muhammad Ibn Maimoun

      Lies übrigens: „… in einem vormodernen Gelehrtenwerk“

      والله أعلم

  3. Wunna

    Sie müssen unterscheiden zwischen Gleichheit und Gleichberechtigung.
    Natürlich sind die Menschen nicht gleich und können auch nie gleich werden, weil es nun mal biologische, soziale und kulturelle Unterschiede gibt. Solange aber diese Unterschiede genutzt werden, um sich über andere zu erheben, diese als minderwertig anzusehen, ihnen respektlos und feindlich zu begegnen, wird es nie Frieden auf dieser Erde geben. Und ebenso kann es nur Frieden auf der Dunja geben, wenn wir für alle ein annehmbares Leben in Würde schaffen. Warum muss ein einzelner Mensch so viel Reichtum haben, dass er gar nicht mehr weiß, was er damit anfangen soll und seiner Dekadenz frönt? Ein anderer weiß vor Hunger, Armut und Elend gar nicht, wie er weiter überleben kann. Handeln wir gerecht, wenn wir andere aufgrund ihrer minderen Intelligenz, ihres Äußeren, ihres Geschlechts, ihrer Rasse,… für weniger wertschätzen? Hier setzt der Gedanke der Gleichberechtigung an. Die absolute Gleichberechtigung kann es auch nicht geben, aber zumindest können wir uns darum bemühen.

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