Das Lesen des Quran an Gräbern

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Das Rezitieren des Quran an Gräbern und auf Friedhöfen mit der Hoffnung, dass es den Toten zugute kommt und ihnen nutzt, ist erlaubt und daran ist nichts auszusetzen, und das gemäß der Allgemeinheit der vier Rechtsschulen, der Juristen und der Praxis der Muslime seit jeher.

 

Die Rechtsschule von Imam Abu Hanifah: Imam Badr ad Din al Aini sagte: „Es ist nichts Falsches daran, den Quran an Gräbern zu rezitieren.“ [1] Ähnliches sagte Imam Ibn ‚Abidin: „Es ist nicht verpönt sich hinzusetzen, um [den Quran] am Grab zu rezitieren…“ [2]

Die Rechtsschule von Imam Malik: Imam Abu ‚Isa al Mahdi al Wazzani sagte: „Was das Rezitieren [des Quran] an einem Grab angeht, so legten Ibn Rushd [in الأجوبة], Ibn al Arabi [in أحكام القرآن] und al Qurtubi [التذكرة] fest, dass die Rezitation ihm — damit meine ich den Toten — nutzt, ob am Grab oder zu Hause rezitiert wird.“ [3]

Die Rechtsschule von Imam ash Shafi’i:

Imam an Nawawi sagte: „Es ist empfohlen am Grab das vom Quran zu lesen, was einem leicht fällt, und danach für ihn zu bitten. Dies legte Imam ash Shafi’i fest und die Gefährten sind sich darüber einig.“ [4]

Die Rechtsschule von Imam Ahmad:

Imam Burhan ad Din Ibn Muflih sagte: „Gemäß der richtigeren Überlieferung [von Imam Ahmad] ist es nicht verpönt, am Grab oder auf dem Friedhof [den Quran] zu rezitieren. Das ist die vorherrschende Meinung der Rechtsschule.“ [5]

 

Beweisführung:

Die Überlieferung, die von den zwei Imamen in ihren authentischen Werken überliefert worden ist: „Diese zwei werden [gerade] bestraft, doch sie werden nicht aufgrund einer großen Sünde bestraft…“ Darin wird dann erwähnt, dass der Prophet ﷺ ein Palmblatt auf das Grab legte und folgendes sagte: „Es könnte sein, dass ihnen die Strafe erleichtert wird, solange es nicht austrocknet.“ [6]

Hierzu sagte Imam al Khatabi [in أعلام السنن في شرح البخاري]: „Hierin liegt ein Beweis, dass das Rezitieren des gewaltigen Buches an Gräbern empfohlen ist, denn wenn zu hoffen ist, dass für den Toten die Strafe aufgrund der Lobpreisung eines Baumes gemindert wird, so ist die Rezitation des Quran hoffnungsvoller und gesegneter.“ Und Imam an Nawawi sagte dazu: „Die Gelehrten betrachten das Rezitieren des Quran an Gräbern aufgrund dieser Überlieferung als empfohlen, denn wenn die Minderung [der Strafe] aufgrund der Lobpreisung eines Blattes zu erhoffen ist, so ist die Rezitation des Quran noch eher durchzuführen.“ [7]

Ebenso die Überlieferung von Abdurrahman Ibn al Ala’ al Lailaj: „Mein Vater sagte zu mir: «O mein Sohn! Wenn ich sterbe, so hebe für mich ein Grab aus. Wenn du mich in mein Grab hineinlegst, sag: Im Namen Allahs und auf der Religion des Gesandten Allahs! Sodann schütte die Erde langsam auf mich und lies bei meinem Kopf die Anfangs- und Endverse von al Baqarah, denn ich hörte den Gesandten Allahs dies sagen.»“ [8] Imam Ibn Hajar al Haythami sagte, dass die Überlieferer vertrauenswürdig sind. Ebenso wurde dies von Imam al Bayhaqi überliefert. [9]

Des Weiteren sagte Imam an Nawawi „Uns wurde [in سنن] von al Bayhaqi mit einer guten Überlieferungskette von [Abdullah] Ibn Umar überliefert, dass er das Rezitieren der Anfangs- und Endverse von al Baqarah am Grab, nach dem Begraben als empfohlen betrachtet hat.“ [10]

 

Die Praxis der Muslime seit jeher:

Ebenfalls sagten wir am Anfang, dass dies die gängige Praxis unter den Muslimen seit jeher ist. So sagte der malikitische Jurist Ibrahim Ibn Hilal [in النوازل]: „Dies ist die gängige Praxis der Muslime, sei es im Osten oder Westen.“

Der hanbalitische Jurist Ibn Qudama sagte „Darüber besteht der [praktische] Konsens der Muslime, denn die Muslime, während jeder Zeit und an jedem Ort, versammeln sich, lesen den Quran und schenken ihren Toten die Belohnung, ohne Einwand.“ [11]

Des weiteren erwähnt Imam as Suyuti von ash Sha’bi, dass er sagte: „Wenn jemand von den Bewohnern Madinahs starb, versammelten sie sich um sein Grab und rezitierten für ihn den Quran.“ [12]

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[1]: [البناية شرح الهداية] Band 3, Seite 306
[2]: [رد المحتار على الدر المختار] Band 2, Seite 246
[3]: [النوازل الصغرى] Band 1, Seite 166
[4]: [المجموع شرح المهذب] Band 5, Seite 286
[5]: [المبدع] Band 2, Seite 281
[6]: Al Bukhari mit der Nummer 218, Muslim mit der Nummer 292
[7]: [شرح مسلم]  Band 3, Seite 260

[8]: [المعجم الكبير للطبراني] Mit der Nummer 491

[9]: [مجمع الزوائد] Band 3, Seite 44

[10]: [الأذكار]: Seite 278

[11:] [المغني]  Band 2, Seite 225

[12] [شرح الصدور ] Seite 403

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Eine Antwort auf “Das Lesen des Quran an Gräbern”

  1. Abd al Nour

    Ich bin bisher vom gegenteiligen ausgegangen, das man Du´a machen kann aber kein Quran rezitieren soll, warum weiß ich nicht mehr so genau.

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