Die Art und Weise der Erbringung von Beweisen und Argumenten und wer sie erbringt

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Aus Al-Fatāwa-l-Ḥāyiriyyah, Fatwā Nr. 4

 

Die Art und Weise der Erbringung von Beweisen und Argumenten und wer sie erbringt

 

Von Aš-Šay Al-Muaddiṯṯ  Nāṣir Bin amad Al-Fahd

fakka-llāhu Asrahu

 

 

Frage: Was ist die Art und Weise der Iqāmatu-l-Ḥuğğah[1] und wer erbringt sie? Ich bitte Sie diese im Detail zu erklären.

 

Antwort: Die Angelegenheit der Iqāmatu-l-Ḥuğğah, wer sie erbringt, die Methode ihrer Erbringung und das, was mit ihr (an Vorschriften) zusammenhängt, unterscheidet sich von einer Mas’alah[2] zur anderen.

Erstens: In Hinblick auf den Aṣlu-d-Dīn[3] – und das ist der Tauḥīd und der Širk – gilt: Wer dem im Widerspruch steht, ist ein Kāfir, unabhängig davon, ob die Beweise und Argumente gegen ihn erbracht wurden. Jedoch wird eine solche Person weder mit der Tötung im Diesseits noch mit dem Feuer im Jenseits verurteilt, bis die Beweise und Argumente auf sie erbracht worden sind. Und die (Bedeutung der) Erbringung (von Beweisen und Argumenten) im Aṣlu-d-Dīn ist nur die Mitteilung. Wem daher der Islām als Religion oder der Qur’ān zu Ohren gekommen ist oder wer vom Gesandten (Muḥammad, صلى الله عليه و سلم) hörte und dergleichen, so wurde auf ihm die Ḥuğğah erbracht, gleichgültig, ob ihm das von einem Muslim oder einem Kāfir übermittelt wurde oder er imstande war, sich Wissen über den Islām anzueignen alsdann er sich davon abwendete. So sind diese Kuffār, sowohl im Diesseits (Ad-Dunyā) als auch im Jenseits (Al-Āḫirah). Und es gibt überhaupt keine (besonderen) Voraussetzungen für die Erbringung von Argumenten und Beweisen auf sie.[4]

So sagen wir auf dieser Grundlage, dass die Grabanbeter in den muslimischen Ländern sowohl im Diesseits als auch im Jenseits Kuffār sind. Selbst wenn einer von ihnen ein noch größerer Ğāhil (Unwissender) ist, als ein Esel von seinen. Schließlich wurde die Ḥuğğah auf ihn erbracht. Das heißt, der Islām und sie verfügen über den Qur’ān. Doch Allāh hat ihre Herzen versiegelt, so dass sie nicht verstehen. Im Ṣaḥīḥ wird in einem Marfū’-Ḥadīṯ[5] von Abū Hurayrah, رضي الله عنه, überliefert, dass der Gesandte, صلى الله عليه و سلم, sagte:

وَالَّذِي نَفْسُ مُحَمَّدٍ بِيَدِهِ لَا يَسْمَعُ بِي أَحَدٌ مِنْ هَذِهِ الْأُمَّةِ يَهُودِيٌّ وَلَا نَصْرَانِيٌّ ثُمَّ يَمُوتُ وَلَمْ يُؤْمِنْ بِالَّذِي أُرْسِلْتُ بِهِ إِلَّا كَانَ مِنْ أَصْحَابِ النَّار [6]

Bei dem in dessen Hand die Seele Muammads ist, es gibt keinen aus dieser Ummah, (weder) Jude noch Narānī (Christ), die von mir hören, und nicht an mich glauben, ohne dass sie Bewohner der Hölle sein werden.

 

Demnach wurden der absoluten Mehrheit (der Menschen) in unserer Zeit die Argumente und Beweise bezüglich des Aṣlu-d-Dīn auf sie erbracht. Entweder haben sie über den Islām gehört – und das (an sich) genügt. Oder sie waren imstande, sich über den Islām zu informieren, wandten sich aber ab. Sowohl auf die Einen (die über den Islām hörten) als auch auf die Anderen (die nicht über den Islām hörten, aber imstande waren, sich darüber zu informieren) wurde die Ḥuğğah erbracht. Und Allāh weiß am besten.

Zweitens: Was die offensichtlichen und allgemeinbekannten Vorschriften des Islām angeht, wie die Obligation der vier Grundsäulen[7], das Verbot der Unzucht und des Ehebruchs, alles Berauschendem (Alkohol, Drogen..) und dergleichen unbezweifelbaren Anordnungen, so wird in diesen Dingen eine Person für ihren Ğahl (Unwissenheit) entschuldigt, sofern sie nicht imstande war, sich über den Islām zu informieren, wie derjenige, der erst neu den Islam angenommen hat oder weitab von muslimischer Zivilisation lebt und dergleichen. Wenn er also den Aṣlu-d-Dīn verwirklicht – den Tauḥīd und die Unterlassung des Širk -, aber als Beispiel wegen die Obligation des Pflichtgebetes negiert oder den Alkohol als erlaubt hält, wird er nicht takfīriert (aus dem Islām ausgeschlossen), solange auf ihm die Erbringung von Beweisen und Argumenten nicht erbracht wurde. Und die Ḥuğğah hierin ist das Erreichen von (aus der Šarī’ah entnommenen) Beweisen in der Ange-legenheit. Wenn ihm also der Beweis in Kenntnis gesetzt wurde, so wurde auf ihm die Ḥuğğah erbracht. Auch dann, wenn der Erbringer (, der den Beweis auf ihm erbrachte) ein schlichter Muslim ist, also keiner von den Studenten des Wissens. Denn es handelt sich hier um allgemeinbekannte, unbezweifelbare Angelegenheiten.

Drittens: Wenn es um die weniger bekannten Angelegenheiten geht, so unterscheiden sie sich in Bezug auf die Zeit, den Ort und die Person. In dieser Mas’alah bestehen Misshelligkeiten. Šayḫu-l-Islām Ibn Taymiyyah, رحمه الله, sagte zur einer Gruppe der Ğahmiyyah-Ḥulūliyyah[8]: „Würde ich das sagen, was ihr sagt, so würde ich zum Kāfir werden. Doch ich sehe euch nicht als Kuffār an aufgrund euren Ğahls (Unwissenheit)[9]

Die ’Ulamā‘ von Nağd[10] hatten in dieser Haltung eine andere Position eingenommen als Šayḫu-l-Islām Ibn Taymiyyah. Was ich sagen will, ist, dass die vorgenannten Ğahmiyyah zu sagen pflegten: „Allāh ist an jedem Ort[11]. So sah Šayḫu-l-Islām – dass er derjenige war, der ihnen die Mas’alah verdeutlicht hat -, dass auf ihnen die Ḥuğğah nicht erbracht wurde aufgrund der starken Zweifel, die sie bei sich hatten und auf der sie aufgewachsen sind. Wie ich schon sagte, die ’Ulamā‘ von Nağd widersprachen ihm.

Die Konstatierung dieser Mas’alah führt auf eine Sache zurück, und zwar auf den Takḏīb (Leugnung). Inwiefern der Ta’wīl[12] in diesen Angelegenheiten im Wesentlichen zur Leugnung der Šarī’ah-Texte führt oder man sogar mit ihnen debattiert und merkt, dass sie die Šarī’ah-Texte leugnen, so sind diese Kuffār. Solange man aber sieht, dass sie die Šarī’ah-Texte nicht leugnen, sondern sie vielmehr bestätigen und an sie glauben, trotz der Tatsache, dass sie von ihnen (und der wahren Bedeutung) abwichen, so sind sie keine Kuffār. Dies ist eine Zusammenfassung dieser Angelegenheit, obwohl es einer detaillierteren Erklärung erfordert. Und Allāh weiß es am besten.

Basierend auf dem vorher erwähntem, ersehen wir, dass die Erbringung der Ḥuğğah sich in drei Zuständen unterscheiden:

  • Der Aṣlu-d-Dīn: nur das bloße Eintreffen (des Islām) oder Hören (über den Islām). Sogar von einem Kā
  • Die offensichtlichen Masā’il (الظاهِرَةُ): nur das Eintreffen des Beweises in der (betreffenden) Angelegenheit. Von jedermann Muslim.
  • Die weniger bekannten Masā’il (الـخَفِيَّةُ): die Zweifel müssen ausgeräumt und beseitigt werden. Und dazu ist nicht jeder imstande.

Und Allāh weiß es am besten.

 

[1] Arabisch: إقامَةُ الْـحُجَّةِ und bedeutet hier: Die Erbringung von Beweisen und Argumenten.

[2] Arabisch: مَسْأَلَـةٌ und bedeutet hier: Angelegenheit, (Rechts)Frage.

[3] Arabisch: أصْلُ الدِّينِ und bedeutet hier: Die Grundlage (oder das Grundprinzip) des Glaubens.

[4] Das heißt, keine spezifischen zusätzlichen Bedingungen außer das, was der Šayḫ (schon) erwähnt hat. Und zwar, dass sie über den Islām, den Qur’ān oder den Gesandten gehört haben oder dass sie imstande waren den Islām wahrgenommen zu haben, und sie sich aber (vom Islām) abwendeten. (Anm.d.Ü.)

[5] حَدِيثٌ مَرْفُوعٌ : Eine dem Gesandten Allāhs, خ, zugeschriebene Aussage oder Tat oder Eigenschaft oder auf ihm zurückzuführende Überlieferung. Zum Beispiel sagt ein Ṣaḥābī eine Sache, die nicht seine eigene Meinung ist, sie kann nur vom Gesandten Allāhs, خ, kommen. Ein Marfū’-Ḥadīṯ kann durchaus ein ṣaḥīḥ (authentischer) oder ein ḥasan (guter) oder gar ein ḍa’īf (schwacher) sein, je nach dem Sanad (Überlieferungskette) und dem Text.

[6] Ṣaḥīḥu Muslim (153) und Aḥmad.

[7] Arabisch: الأَرْكانُ الأَرْبِعَةُ und bedeutet hier: Die vier Grundsäulen des Islām (das Pflichtgebet, die Zakāh-Almosen, das Fasten im Monat Ramaḍān und die große Pilgerfahrt nach Makkah).

[8] Arabisch: الـحُلُولِيَّةُ ist: Eine Sekte von Sūfīs, die an die Ḥulūl-Lehre glauben, die im Widerspruch zu dem steht, was Ahlu-s-Sunnah vertretet. Und zwar, die Aussage, dass Allāh in allem vereint und zugegen ist. Preis sei der Herr, dem Herrn der Macht! Erhaben ist Er über das, was sie Ihm zuschreiben.

[9] Siehe in Al-Istiġāṯah.

[10] Arabisch: أَئِمَّةُ الدَّعْوَةِ النَّجْدِيَّةِ und bedeutet: Die Imāme der Da’wah des Nağd; An-Nağd, auch Hochland, ist eine Landschaft im inneren der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien.

[11] اللهُ فِي كُلِّ مَكانٍ – “Allāhu fī kulli Makān“

[12] Arabisch: التَأْوِيلُ und bedeutet hier: Das falsche Verständnis und das unkorrekte Deuten von Šarī’ah-Texten.

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3 Antworten auf “Die Art und Weise der Erbringung von Beweisen und Argumenten und wer sie erbringt”

  1. AbuMuhammed

    Genau aufgrund solcher Erklärungen von Udhr bi Jahl, sind die Takfiris entstanden. Die Gelehrten selbst waren unterschiedlicher Ansicht was Udhr bi Jahl betrifft. Einige wurden Takfiri, andere murji. Deshalb sollte man sich nicht mit dem Thema befassen.

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  2. ein Akh

    Muhammad Isa… möge Allah dich segnen, Amiin.

    Genau solch eine Aufklärungsarbeit brauchen wir heute, denn wahrlich haben die Philosophen in Facebook und anderweitig, ihr Gift verteilt.

    Möge Allah uns vergeben und rechtleiten und darin festigen, amiin.

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    • Mohammed Isa

      Mohammed Isa

      Ein Bruder übersetzt die Fatawaa und ich publiziere sie nur.

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