Die Zeichen der Murji’ah, der Khawārij und der Leute der Übertreibung

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Erstveröffentlichung von Tariq am 01.10.2009

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Die Zeichen der Murji’ah, der Khawārij und der Leute der Übertreibung
al-Schaykh ʿAlawī ʿAbd al-Qādir al-Saqqāf

Wisse, dass wer immer eine der nachfolgenden Aussagen tätigt, dem Irja verfallen, oder von seiner Schubha betroffen ist:

  1. Der Glaube ist allein die Bestätigung mit dem Herzen. (Jahmiyyah)
  2. Der Glaube ist allein die Äußerung mit der Zunge. (Karrāmiyyah)
  3. Der Glaube ist die Bestätigung mit dem Herzen und das Aussprechen mit der Zunge. (Murj’at al-Fuqahā‘)
  4. Der Glaube ist die Bestätigung mit dem Herzen, das Aussprechen mit der Zunge und die Tat des Herzens, nicht jedoch die der Glieder.
  5. Der Glaube nimmt weder zu noch ab und er ist von seinem Grund her bei allen Menschen gleich.
  6. Der Unglaubne ist allein die Verleugnung. (Jahmiyya)
  7. Der Unglauben kommt nicht zustande, außer durch Überzeugung, Ablehnung oder Legalisierung [von etwas Verbotenem].
    Dabei verweisen sie auf die Aussage von al-Taḥawī, möge Allah sich seiner erbarmen, in seiner „ʿAqīdah“: „Wir erklären keinen von den Leuten der Qiblah wegen einer Sünde für ungläubig, solange er sie nicht für erlaubt erklärt.“ Richtig ist zu sagen: Der Unglaube kommt zustanden durch Aussage, Tat oder Überzeugung, und wir erklären niemanden von den Leuten der Qiblah wegen einer Sünde – unterhalb des Unglaubens und Schirks – für ungläubig, solange er sie nicht für erlaubt erklärt.
  8. Das Unterlassen der Gesamtheit der Taten der Glieder (oder Klasse der Taten, wie Ibn Taimiyyah sie nennt) ist kein Unglauben, welcher aus der Religion ausschließt.
    Dies ist Irja, denn es bedingt, dass die Taten der Glieder keine Säule des Glaubens sind, und genauso wenig die des Herzens, und dies ist ungültig, da das Äußere mit dem Inneren verbunden ist und es unmöglich eine Handlung des Herzens ohne jede Handlung der Glieder geben kann.
  9. Die Taten der Glieder sind eine Bedingung für die Vervollkommnung des Glaubens, jedoch keine Säule und keine Bedingung für seine Gültigkeit.
    Richtig ist zu sagen, dass die Gesamtheit der körperlichen Taten eine Säule des Glaubens ist, während die einzelnen Taten – bis auf das Gebet – zur Vervollkommnung zählen.
  10. Häretische Taten und Worte sind selbst kein Unglauben, vielmehr beweisen sie den Unglauben.
  11. Die häretischen Taten und Aussagen, welche aus der Religion ausschließen, sind jene, welche dem Glauben in jedem Gesichtspunkt widersprechen oder die ein Beweis für den Unglauben sind. Der Takfīr hängt davon ab, ob es in jedem Gesichtspunkt im Widerspruch zum Glauben steht bzw. es ein Beweis dafür ist.
    Richtig ist zu sagen: Die häretischen Worte und Taten, welche aus der Religion ausschließen, sind die, für die der Beweis erbracht wird, dass sie eben solche sind, und sie widersprechen dem Glauben von jedem Gesichtspunkt und beweisen ohne Zweifel den inneren Unglauben. – Man beachte den Unterschied.
  12. Ihr Machen der Gelüste oder das Fehlen der Absicht zu einem Hinderungsgrund für den Takfīr.
    Dies ist Irja, da daraus eine Beschränkung des Unglaubens auf die Überzeugung folgt. Wenn mit der Absicht allerdings gemeint ist, dass es ein Versehen durch einen Fehler war, dann ja, denn der Fehler gehört zu den Hinderungsgründen im Takfīr. Jedoch muss gewusst werden, dass es reicht, wenn er die Tat des Unglaubens selbst beabsichtigt (vorhat sie zu begehen), doch muss er nicht vorhaben durch sie in den Unglauben zu fallen, [um doch in ihn zu fallen].
  13. Das Verlassen des Gebetes ist kein Unglauben, da es eine Tat der Glieder ist, und die Taten der Glieder sind lediglich eine Bedingung für die Vervollkommnung des Glaubens.
    Dies ist Irja, da jener der dies sagt keinen Takfīr aufgrund von Taten macht. Der Unglaube ist bei ihm allein die Überzeugung. Die Frage des Gebets gehört zu den deutlichsten Angelegenheiten, in denen die Gefährten über den Unglauben eines jenen der es verlässt übereingekommen sind. Was den betrifft, der aus Beweisen der Scharia folgert, dass jener der manchmal betet und manchmal nicht, keinen Unglauben begeht, wie es bei einigen Salaf vorkam, oder ihn der Konsens nicht erreichte, so steht dies nicht mit Irja in Verbindung.

 

Und hiermit sollte der Fehler klar werden, den einige von einer Aussage einiger Salaf zu wiederholen pflegen: „Wer sagt, dass der Glaube Aussage, Tat und Überzeugung ist und dass er zu- und abnimmt, der ist vollkommen frei vom Irja, von seinem Anfang bis zu seinem Ende.“ Dies ist ohne Zweifel eine richtige Aussage, jedoch nur nach dem Verständnis jener, welche sie tätigten, und das ist, dass Tat, Aussage und Überzeugung Säulen des Glaubens sind, wobei sich eine nicht von der anderen trennen lässt. Und selbst wer dies sagt, dabei jedoch die Taten der Glieder nicht als eine Säule des Glaubens ansieht, oder sagt Unglaube sei nur Verleugnung oder Legalisierung [von etwas Verbotenem], so spricht er zwar aus, was die Salaf als Definition des Glaubens angaben, jedoch nicht in der Form die sie beabsichtigten. Und diese Aussage ähnelt den Worten des Propheten : „Wer lā Ilāha illā Allāh sagt, betritt das Paradies.“ Was sagen diese über den, der dies ausspricht und dabei die andere Hälfte der Schahādah – Muhammad Rasūl Allah – weg lässt, oder etwas sagt, was es nichtig macht? Das ist das Gleiche. Und aus diesem Grund warnten die Gelehrten vor einigen Büchern und davor, dass sie zum Weg des Irja rufen, obwohl sie angeben, dass der Glaube Rede und Tat ist, und dass er zunimmt und abnimmt. Und Allah weiß es am Besten.

 

Und wisse, dass es Zeichen gibt, die wenn jemand sie oder einige von ihnen aufweist, er ein Khārijī ist, oder in das gefallen ist, in was die Khawārij an Übertreibung verfallen sind:

  1. Takfīr auf den, der eine große Sünde begeht.
  2. Takfīr auf den, der in eine Sünde fällt, und auf ihr beharrt.
  3. Die Aussage, dass der Glaube eine einzige Sache sei, die nicht abnehme, und wenn ein Teil von ihm verloren gehe, so gehe er insgesamt verloren.
  4. Die Erlaubnis gegen einen muslimischen Herrscher wegen seines Unrechts und seiner Unterdrückung aufzubegehren, selbst wenn von ihm kein klarer Unglaube gesehen wurde.
    Dies ist von den Khawārij, da bei Ahlu-Sunnah wal-Jamāʿah die Ansicht feststeht, dass dies nicht erlaubt ist, und die Khawārij widersprachen. [Siehe Shaykh al-Tarifi – Rebellion gegen den Herrscher][Shaykh Al Sulmi | Die Rebellion gegen den Herrscher][Sh. Ibn ‚Uthaymeen | Das Bekämpfen des ungläubigen Herrschers]
  5. Das völlige Ablehnen der Unwissenheit als Entschuldigungsgrund.
    Richtig ist, dass die Unwissenheit eine Entschuldigung sein kann oder keine Entschuldigung sein kann. Es gibt darin eine Differenzierung.[Sh. Al Suhaymi | Der Streit um ‚Udhr bi al-Jahl (Unwissenheit als Entschuldigung)]
  6. Takfīr über jeden, der nach etwas anderem richtet, als was Allah herabgesandt hat, selbst wenn es nur in einem Einzelfall ist.
    Richtig ist: Man muss unterscheiden zwischen dem allgemeinen Erlassen von Gesetzen als verbindliche Norm der gefolgt werden muss, und zwischen dem Nehmen der islamischen Scharia als zu befolgender Norm, wo bei man ihr in einem oder mehreren bestimmten Fällen widerspricht und darin nicht nach ihr richtet.
  7. Übereilung im personenspezifischen Takfīr ohne Rücksichtnahme auf die Prüfung der Bedingungen und ohne Beachtung der Hinderungsgründe.

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4 Antworten auf “Die Zeichen der Murji’ah, der Khawārij und der Leute der Übertreibung”

  1. AbuMuhammed

    Salamu aleykum. Wenn hier schon angeblich auf dem Buch von Ibn Taymia rahimahullah eingegangen wird, dann sollte man nicht versuchen die eigene Meinung in der Erklärung mit einfließen zu lassen. Genau das ist das Problem von vielen angeblichen Ibn Khatir Tafsir in deutschsprachrigen Raum, jede Gruppierung versucht die Übersetzungen mit der eigenen Meinung zu unterjochen. …

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    • Mohammed Isa

      Mohammed Isa

      Bringst du bitte den Beweis das der Text von Ibn Taymiyyah sei und wo das behauptet wird?

  2. Jens

    Höchstwahrscheinlich gab das Beitragsbild Anlass zu dieser Vermutung.

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