Das Gold des Kalifen

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Am 13. November gab das Schatzamt der Organisation „islamischer Staat“ eine Erklärung heraus, wonach man auf Weisung des Kalifen Ibrahim – besser bekannt als Abu Bakr al-Baghdadi – die Einführung einer eigenen Geldwährung für den „islamischen Staat“ untersucht habe. Der oberste Rat der Organisation habe alsbald die Einführung abgesegnet und man schicke sich nunmehr an, die praktische Umsetzung des Projektes voranzutreiben.

Eine Überraschung war dieser Schritt gewiss nicht, war die Organisation, die mittlerweile nicht unerhebliche Teile Syriens und des Iraks unter ihrer Kontrolle hat, doch schon seit jeher sehr erpicht darauf, als vollwertiger Staat wahrgenommen zu werden und eine eigene Währung gehört heute quasi zur Grundausstattung eines jeden Gebildes, das sich Staat schimpft.

Schon der symbolischen Wert einer solchen Währung ist ungeheuer, der etwa durch die Allgegenwart der auf Münzen und Banknoten verewigten staatlichen Embleme und der ggf. vorhandenen Porträts der Obrigkeiten (oder deren entleibter Vorväter) bedingt ist.

Wer nun aber gedacht hat, dass die Organisation die alten Geldfetzen, auf denen das Konterfei Hafiz al-Assads prangt, einfach durch neue Papierlappen ersetzen würde, der irrt. Tatsächlich soll die neue Währung kein ungedecktes Papiergeld sein, wie es heute praktisch in jedem Land der Erde üblich ist, sondern es soll auf Gold (Dinar), Silber (Dirham) und Kupfer (Fils) basieren. Schon unkt die westliche Presse, die Steinzeitsalafisten wollten eine mittelalterliche Währung wiederbeleben. Eilig herbeigerufene Experten beschwören den baldigen Untergang einer solchen Währung und orakeln die zu erwartende Flucht der Menschen in den „stabilen Dollar“ (!), die zu erwarten sei.

Nun scheint Stabilität ein sehr dehnbarer Begriff zu sein, hat doch der Dollar, seit dem er vom Gold gelöst wurde, sukzessive 95% seines Wertes verloren. Auch die Deutschen haben bereits leidvolle Erfahrung mit der Stabilität von ungedeckten Papiergeld machen dürfen, etwa als sie 1923 nach einem rasanten Wertverfall der Reichsmark plötzlich Preise von mehreren hundert Milliarden Reichsmark für ein Brot oder einen Sack Kartoffeln zu zahlen hatten. Auch heute weiß jeder aus eigener Erfahrung, dass Preise im Papiergeldsystem stets nur eine Richtung kennen, nämlich nach oben.

Dabei ist ständige Preisinflation freilich kein Naturgesetz. Sie wird durch die permanente Ausweitung der Geldmenge hervorgerufen oder um es etwas anschaulicher zu formulieren: Durch das ständige Drucken neuen Geldes. Steigt die Geldmenge, während die Warenmenge gleich bleibt, steigen logischerweise die Preise. Nun wissen wir, dass der Otto-Normalbürger in der Regel vom Staate nicht sehr freundlich behandelt wird, wenn er sich selbst im Gelddruck betätigt. Die magische Geldvermehrung ist ein Monopol des Staates, dessen treue Diener beständig beteuern, dass ihr Tun zum Wohle aller sei und dem Wachstum und Gedeih der Wirtschaft diene.

5 DinarDie Leidtragenden sind all jene, die staatliches Papiergeld besitzen und die nicht zu den Günstlingen des Staates gehören und zwar gleich auf zweierlei Art: Erstens schmilzt der Wert ihres gesparten Vermögens zu Gunsten der Gelddrucker dahin. Zweitens leiden sie an den Preissteigerungen noch bevor das neue Geld in Form von höherem Einkommen zu ihnen kommt, wohingegen umgekehrt der Staat und seine Günstlinge mit ihrem neuen Geld noch von den alten, niedrigen Preisen profitieren können, bevor die Preissteigerung zustande kommt.

Das Papiergeldsystem ist also eine einzige perfide Raub- und Enteignungsmaschinerie, die den Besitz von jenen, die ihn erarbeitet haben hin zu jenen transferiert, die die Macht über das Geldsystem haben oder zu ihren Günstlingen zählen. Kein Wunder also, dass alle Staaten Freunde dieses Systems sind, ermöglicht es ihnen doch sich hemmungslos auf Kosten ihrer Untertanen zu bereichern, Kriege zu führen und die eigene Macht mit einer Herscharr vom geraubten Besitz unterhaltener Hofintellektueller zu zementieren. Nicht zuletzt ist das Geldsystem auch das wichtigste Instrument für den staatlichen Interventionismus, der auf der irrigen Annahme basiert, der Staat könne und müsse lenkend in den Markt eingreifen um sein reibungsloses Funktionieren zu gewährleisten. Ein Wahn, der die Nationen von einer Wirtschaftskrise zur nächsten führt und eine Reform die nächste jagen lässt, wobei jeder weitere Eingriff alles nur noch schlimmer macht. Die entwickelten Länder streben stätig der sozialistischen Planwirtschaft entgegen und verteufeln zunehmend den Kapitalismus und den freien Markt, also die eigentliche Grundlage ihres momentanen Wohlstandes.

Der „islamischen Staat“ hat sich nun diesem Wahnsinn verwehrt. Er wird keine FED-Inflation in Form von US-Dollar importieren, er wird seine Bürger nicht vermittels der Gelddruckmaschine enteignen. Gold und Silber lassen sich nicht beliebig vermehren, sie haben aufgrund ihrer vielfältigen nicht-monetären Verwendungszwecke einen Eigenwert und haben sich in der Menschheitsgeschichte über Jahrtausende als universelles Tauschmittel bewährt. Die Einführung einer Goldwährung ist somit eine Absage an Kollektivismus, Enteignung und Interventionismus und eine Bejahung privaten Eigentums und der Freiheit.

Man kann von der Organisation „islamischen Staat“ halten was man mag, doch sie haben in dieser Angelegenheit mehr Weitsicht als ein Großteil der heutigen islamischen Gelehrsamkeit bewiesen, welche lediglich in der Frage schwelgte, ob man das gängige Papierscheingeld in Silber oder Gold umrechnen solle, um die Zakat zu berechnen, statt das Wesen und die Legitimität dieser bunt bedruckten Papierzettel zu hinterfragen.

Spätestens wenn das Kartenhaus des westlichen Finanzsystems in sich zusammenbricht wird sich diese Emanzipation auszahlen und wer weiß, vielleicht werden sich die heute mächtigen Nationen dieser Welt durch ihre eigenen Hände vermittels des Sozialismus in den Untergang stürzen: Sag: O Allah, Herr der Herrschaft, Du gibst die Herrschaft, wem Du willst, und Du entziehst die Herrschaft, wem Du willst. Du machst mächtig, wen Du willst, und Du erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist (all) das Gute. Gewiß, Du hast zu allem die Macht. ﴿3:26

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2 Antworten auf “Das Gold des Kalifen”

  1. Abdullah

    salam
    … Und genau das gleiche wollte Gaddafi in ganz Afrika einführen, was u.a. ihm das Leben gekostet hat. Rothschild-Papa lässt sowas nicht zu, sie haben viele Möglichkeiten dies abzuwürgen ohne auch nur ein Schuss aus der Pistole abzugeben. Die Geschichte hat es gezeigt.
    Wassalam

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  2. Izzudeen

    @Abdullah
    Die Geschichte hat vieles gezeigt, unter anderem, dass wenn Muslime nicht aufstehen und das erniedrigte Leben dem ehrwürdigerem Leben vorziehen, sich nicht aus der Dhillah erheben können und diesen Din an seinen rechtmäßigen Platz bringen können.
    Es wird an der Zeit das die Ummah eigenständig wird und sich aus der Gewalt der dreckigen Kuffar entzieht. Diese Sache ist, bi idhnillah, der erste Schritt in eine Zukunft „mit erhobenen Köpfen“.

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