Die einzig wahre Souveränität ist die Souveränität Gottes

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In der Hochphase der christlichen Dominanz über die politischen Rahmenbedingungen Europas, war die politische Marschroute die ein Herrscher »von Gottes Gnaden« einschlagen konnte, zumindest theoretisch durch die Religion eingegrenzt. So sagte Nicolás Gómez Dávila ja sehr treffend: «Von Gottes Gnaden zu sein, schränkte die Macht des Monarchen ein; der Volksvertreter ist der Repräsentant des absoluten Absolutismus.» Mit dem Sturz der Religion als dominierendem »Überbau« waren diese Eingrenzungen jedoch dahin. Verbunden mit dem »Siegeszug« der Vernunft über die Religion, war damit gewissermaßen die Pforte geöffnet zum Irrglauben, eine gerechte und stabile politisch-soziale Ordnung allein durch Empirie und Vernunftprozesse begründen zu können. Die Vorstellung, dem Aufbau der Gesellschaft, ihrer Zusammensetzung sowie Rechten und Pflichten des Einzelnen würde ein göttlicher Plan (»Chain of Being«) zu Grunde liegen welchen es einzuhalten gilt, schien in Scherben zu liegen.

Zweifelsfrei liegen auf diesem hier eingeschlagenen Weg auch die faschistischen und kommunistischen Systeme der jüngeren Zeit, mit samt ihrer Massenverbrechen verstreut. Auch Gulags und Konzentrationslager, auch die Vorstellungen von Klassen- und Rassenkampf sind ja das Ergebnis gewisser Denkvorgänge, die aus Sicht ihrer Urheber logisch und darum zwingend erschienen. Diese können und müssen daher wohl auch als Folge des in der Aufklärung begründeten Glaubens in die unbedingte Zuverlässigkeit menschlichen Verstandes angesehen werden. Nun war dies zwar wohl kaum im Sinne der Väter der Aufklärung, aber dennoch scheint hier die sprichwörtliche Büchse der Pandora geöffnet worden zu sein. Mit dem Einreißen des Gefühls der Abhängigkeit von Gott, sah man sich als seines eigenen Glückes Schmied. Ungemein verstärkt wurde dieser Prozess dann noch durch den »Siegeszug« materialistischer Naturwissenschaften.

Das Verbrechen von Iblis bestand darin, seine Ratio über den Befehl Gottes zu stellen*. Daher scheint es wenig verwunderlich, dass die vom Menschen verkündete Allüberlegenheit des eigenen Verstandes die Menschheit in die tiefsten irdischen Höllen geführt hat.
« Je mehr der menschliche Verstand sich selbst vertraut, desto mehr versucht er, seine sämtlichen Mittel aus sich selbst zu schöpfen, und je unvernünftiger er ist, desto mehr zeigt sich darin seine Ohnmacht. » (Joseph de Maistre; Von der Souveränität)

Die Essenz der islamischen Sicht auf den Menschen, ist die Souveränität Gottes über ihn als seinen Diener. Die Essenz der modernen, aufklärerischen Sicht auf den Menschen, ist dessen Souveränität über sich selber als sein eigener Herr. Die Souveränität Gottes steht über allem, dem Menschen, seiner Ratio, seinen Hoffnungen, seinen Ängsten und seinem Leben.


*) Siehe Sure 38, Vers 71-78: Iblis verweigerte die von Gott befohlene Niederwerfung, weil er sich Adam gegenüber als höherwertig ansah. Er stellte also seine Meinung über den Befehl seines Herrn.

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Eine Antwort auf “Die einzig wahre Souveränität ist die Souveränität Gottes”

  1. Yahya Jens Ranft

    Yahya Jens Ranft

    Folgender Buchauszug passt recht gut zum Thema:

    «Im Lichte seiner philosophischen Voraussetzungen ist das Dritte Reich durchaus kein Unfall der Geschichte, sondern ein (wenn auch extremes) Kapitel, das sich in die Geschichte des Denkens bzw. in die Geschichte der Aufklärung einordnet.

    Der Materialismus, der sich im Gefolge der Aufklärung erstmals aller Fesseln entledigen konnte, hat auch den Menschen zum Ding gemacht, das getötet werden darf. An die Stelle eines Ethos, das unveränderlich über den wechselnden Vernunftgründen steht, ist eine vernunftargumentierende und deshalb wechselnde Ethik getreten, die die Tötung von Menschen sogar als ethisch geboten darzustellen weiß und die im April 1945 mit dem Dritten Reich keineswegs verschwunden ist.

    Diese ‚rationale Humanität‘ gehört zu den Grundlagen der entspiritualisierten westlichen Gesellschaften.»

    (Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, Hitler und die Aufklärung – Der philosophische Ort des Dritten Reiches, Seite 21)

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