Das Sichniederwerfen vor einem Bildwerk ‚zum Wohle der Ummah‘

Kommentieren

Aus Al-Fatāwa-l-Ḥāyiriyyah, Fatwā Nr. 1

 

Das Sichniederwerfen vor einem Bildwerk ‚zum Wohle der Ummah‘

Aš-Šayḫ Nāṣir Bin Ḥamad Al-Fahd
– fakka-llāhu Asrahu –

Frage: Als einige Regenten die Staatsmacht übernahmen, vollbrachten sie die Niederwerfung vor dem Grab von Mustafa Kemal Atatürk. Dies ist eine Bedingung für die Machtübergabe, auf die nicht verzichtet werden kann. Manche Leute behaupteten daher , dass es in einer solchen Situation legitim wäre, die Niederwerfung vor einem Bildwerk zum Wohle und Nutzen der Ummah zu vollbringen. Dasselbe ist der Fall mit einigen Ğihādī-Gruppen wie die Ḥamās und anderen. Wie ist die Regelung bezüglich dieser Aussagen [1] und auf welche Art kann man ihnen antworten?

Antwort: Dies ist eine große und wichtige Angelegenheit [2] . In keiner Situation ist es dem Menschen erlaubt, den Kufr (Unglauben) zu begehen mit Ausnahme der Zwangslage[3] , die in der Āyah (Vers) erwähnt wird. Wer den Kufr begeht, ohne dass es ihm aufgezwungen wurde, so ruht auf ihm der Fluch Allāhs – auch wenn er mit solch‘ einer Handlung das Gute (al-Ḫayr) beabsichtigte.

In Anbetracht dessen, dass eine große Anzahl derer, die sich islāmischen Tätigkeiten zuschreiben, aus mehreren Aspekten den Kufr begangen haben und das alles unter dem Vorwand der Maṣlaḥah für die Ummah, sowie die Niederwerfung zu diesem abtrünnigen Ṭāġūts (Atatürk) – wenn es bestätigt wurde das er diese Sağdah vollzog – oder wie den Treueschwur zur Achtung laizistischer Gesetze, das Richten nach laizistischen Gesetzen, das Auslöschen der Al-Walā’u wa-l-Barā’u usw., werde ich zwei Beweise anführen, die zu diesem Kapitel eine inhaltliche Bindung aufweisen:

Der erste Beweis bezieht sich auf die Verdeutlichung des Manhağs des Gesandten, صلى الله عليه و سلم, in Hinblick auf den Nutzen (Maṣlaḥah) in der Da’wah. Beim zweitem Beweis geht es um die Verdeutlichung des Rechtsurteils über denjenigen, der einen Manhağ [4] folgt, außer den des Gesandten Allāhs, صلى الله عليه و سلم.

Was den ersten Beweis betrifft, so behandelt er die makkanische Periode. Es ist allgemein bekannt, was dem Gesandten, صلى الله عليه و سلم, in dieser Periode und seinen Ṣaḥābah, رضي الله عنهم, für Widrigkeiten und Prüfungen seitens der Kuffār widerfahren ist. Manche von ihnen wurden getötet, manche gefoltert, andere wiederum eingesperrt, andere vertrieben – wie die Ṣaḥābah, die nach Abessinien migrierten, während andere isoliert und boykottiert wurden, wie der Gesandte Allāhs, صلى الله عليه و سلم, und jene die mit ihm waren. Drei Jahre lang wurden sie isoliert und boykottiert, sodass sie gezwungen waren, Blätter und ähnliches zu verzehren.

Zu jener Zeit in Makkah gehörte die Obrigkeit Abū Ğahl und seiner Gruppe. Sie erwarteten vom Gesandten, صلى الله عليه و سلم, nicht, dass er ihre (falschen) Götter verehrt und anbetet. Der Gipfelpunkt dessen, was sie verlangten, war, dass der Gesandte, صلى الله عليه و سلم, weder über ihre (falschen) Götter lästert noch sie (die Qurayš) und ihre Vorfahren des Unglaubens bezichtigt [5] und dergleichen.

Hätte der Gesandte, صلى الله عليه و سلم, in einigen dieser erwähnten Dinge (Handlungen) nachgelassen, hätten sie ihn und seine Gefährten sofort in Ruhe gelassen. Der Beweis dafür sind die Worte des Erhabenen:

Sie möchten gern, daß du schmeichelst, so daß (auch) sie schmeicheln [6] (können) [7]. وَدُّوا لَوْ تُدْهِنُ فَيُدْهِنُونَ ﴿٩﴾

Derweil ist der größte Nutzen und die festeste Handhabe, die Erhaltung des Tauḥīd und die Lossagung von allem, was ihn annulliert, also den Al-Kufru bi-ṭ-Ṭāġūt [8] . Nach dem heutigen Verständnis dieser Leute bedeutet Maṣlaḥah in der Dawah jedoch die Forderung des Verbleibs an der Macht. Auch wenn es bedeuten würde, den Tauḥīd (Einheit Allāhs) nicht zu erhalten und Taten zu begehen, die ihn nichtig machen.

Was den zweiten Beweis angeht, so bezieht er sich auf die Ḫawāriğ. All-gemein bekannt über sie sind folgende Aḥādīṯ (Überlieferungen):

• „Sie verlassen den Islām so wie ein Pfeil den Bogen verlässt“
• „Die schlimmsten unter dem Himmel getöteten“
• „Die Hunde der Höllenbewohner“
• „Wohl dem, der sie tötet“ usw.

Alle oben genannten Zitate sind authentische Überlieferungen und weitere tadeln die Ḫawāriğ, obwohl sie viele ’Ibādāt (gottesdienstliche Handlungen) verrichteten.

دَعْهُ فَإِنَّ لَهُ أَصْحَابًا يَحْقِرُ أَحَدُكُمْ صَلَاتَهُ مَعَ صَلَاتِهِمْ وَصِيَامَهُ مَعَ صِيَامِهِمْ
„Ihr verachtet euer Gebet neben ihres, und euer Fasten neben ihres“ [9]

Sie verrichteten viele Gebete, rezitierten den Qur’ān und vollbrachten gottesdienstliche Handlungen, was bekannt ist. Darüber hinaus waren alle Ṣaḥābah darüber einstimmig, sie zu bekämpfen und zu tadeln, und das obwohl es bekannt ist, dass die Ḫawāriğ mit ihren Handlungen Gutes wollten. Sie trachteten nach der Wahrheit und preisten den Islām und seinen Symbolen, sie entfernten sich von den Lastern und den großen Sünden in solch‘ einem Ausmaß, dass sie auf diejenigen den Takfīr aussprachen, die die großen Sünden begangen hätten.

Jedoch, ungeachtet all dessen, als sie einen Manhağ neben den Manhağ des Gesandten, صلى الله عليه و سلم, bestreiteten, nutzte ihnen weder ihre vielen und grandiosen ’Ibādāt noch die Tatsache, dass sie Ḫayr (Gutes) wollten und nach der Wahrheit trachteten, nichts.

Wie sieht es also erst heute um diese Zeitgenossen aus, welche Akte des Kufrs (Kufriyāt) begangen, die nicht einmal die Ḫawāriğ machten und einen Manhağ einschlugen, der dem Manhağ des Gesandten, صلى الله عليه و سلم, und seinen Gefährten zuwider ist? Zudem ein Manhağ, der dem Manhağ der Erneurer von den Ḫawāriğ, den Mu’tazilah, den Zaydiyyah, den Ašā’irah und anderen entgegengesetzt ist, denn alle diese legitimieren keine Akte des Kufrs der Maṣlaḥah (Nutzen) halber.

Und Allāh weiß es am besten.

Fußnoten

[1] Arabisch: المَصْلَحَة und bedeutet hier: Interesse, Wohl; Vorteil, Nutzen.

[2]Arabisch: مَسْأَلَـة und bedeutet hier: Angelegenheit, (Rechts)Frage.

[3]Arabisch: إِكْراه und bedeutet hier: Zwang, Gewalt.

[4] Arabisch: مَنْهَج und bedeutet hier: Weg, Methode.

[5] Arabisch: تَكْفِير und bedeutet hier: Bezichtigung des Unglaubens.

[6] Auch: nachgibst / nachgeben, d.h.: hinsichtlich der Religion Entgegenkommen zeigst / zeigen.

[7] Die ungefähre Bedeutung der Sūrah Al-Qalam, 68:9.

[8] Arabisch: الكُفْرُ بِالطاغُوت und bedeutet hier: Den falschen Gott verleugnen.

[9]Al-Buḫārī (3610); Muslim (1066, 1063, 1064).

 

Ähnliche Beiträge

Antworten